Wie ich zur Kartenkunst kam – und nie mehr davon loskam

Manchmal beginnt eine grosse Leidenschaft mit einer winzigen Bewegung. Bei mir war es das Jonglieren – nicht mit Bällen, sondern mit Stiften. Etwa mit 17 Jahren begann ich, mich intensiv mit Penspinning zu beschäftigen – einer Fingerfertigkeitskunst, bei der man Stifte kunstvoll um die Finger kreisen lässt. Ich übte stundenlang Tricks, schaute YouTube-Videos und verlor dabei jegliches Zeitgefühl. Diese Faszination für die Kontrolle über scheinbar unkontrollierbare Bewegungen liess mich nicht mehr los. Was als Zeitvertreib begann, entwickelte sich zur Obsession. Ich übte überall: am Schreibtisch, im Zug, vor dem Fernseher.

Dann spülte mir der Algorithmus etwas Neues in die Timeline: Cardistry. Was ich mit Stiften machte, machten andere mit Spielkarten. Fächer, Drehungen, Cuts – blitzschnell und präzise. Ich war sofort fasziniert. Aus einem neugierigen Klick wurde ein neues Kapitel. Ich bestellte mir mein erstes wirklich hochwertiges Kartendeck – denn ja, es gibt grosse Unterschiede in der Qualität – lernte erste Moves und verliebte mich in das Gefühl, wenn 52 Karten lebendig werden und durch meine Finger tanzen. Je tiefer ich eintauchte, desto mehr erkannte ich: Hinter den scheinbar simplen Bewegungen steckt Struktur, Hingabe und Kreativität. Die Möglichkeiten wirkten grenzenlos.

Der Anfang mit Chaos und fliegenden Karten

Elegant war mein Einstieg nicht. Karten flogen durch mein Zimmer, verschwanden unter dem Bett oder rutschten in Heizkörpernischen. Die ersten Wochen waren geprägt von Frust und der Frage: «Gopf, wieso gseht das bi andere emmer so eifach us?» Meine Eltern beobachteten das Ganze mit einer Mischung aus Skepsis und Neugier. Und meine zwei Schwestern? Die mussten einiges aushalten – vor allem meine endlosen «Hee, lueg mou wie geil»-Momente. Mit einer Schwester hatte ich sogar einen Deal: Ich durfte ihr Tricks nur zeigen, wenn ich danach auch verriet, wie sie funktionieren. Sonst hätte sie gar nicht mehr zugeschaut. Diese kleinen Familiendeals führten zu stundenlangen Gesprächen über Wirkung, Technik und die Kunst, andere zu überraschen – ganz ohne dass mir damals bewusst war, wie sehr mich das prägen würde.

Von der Bewegung zum Erlebnis

Mit wachsender Sicherheit entdeckte ich: Diese Techniken lassen sich nutzen, um andere Menschen zu unterhalten. Ich entwickelte kleine Routinen, die nicht nur gut aussahen, sondern auch Staunen auslösten. Schritt für Schritt tastete ich mich an die Welt der Kartentricks heran – nicht durch Zauberformeln, sondern mit dem, was ich durch Cardistry aufgebaut hatte: Fingerfertigkeit, Timing und Präsenz. Getestet wurden viele meiner ersten Tricks übrigens im Ausgang, in den Bars von Olten – besonders oft im Coq d’Or. Es war kein plötzlicher Entschluss, sondern ein natürlicher Übergang: Es reichte mir nicht mehr, die Karten nur schön zu bewegen – ich wollte Reaktionen hervorrufen, Emotionen wecken, Erinnerungen schaffen.

Die Istari-Zeit

Ein ganz besonderes Kapitel in dieser Reise war unsere kleine «Kärtelergruppe»: Istari. Inspiriert vom Namen der Zauberer aus «Herr der Ringe», trafen wir uns regelmässig, tauschten uns über neue Tricks aus, übten Kartenwerfen und entwickelten gemeinsam Ideen. Manchmal verbrachten wir stundenlang damit, eine einzige Technik zu perfektionieren. Und meistens endeten unsere Sessions so, wie sie für junge Kartenbegeisterte eben enden: im Ausgang, wo wir unsere neuesten Kunststücke gleich an echten Menschen testen konnten. Diese Treffen waren nicht nur lehrreich, sondern auch ein sozialer Anker – eine kleine Gemeinschaft, in der man sich gegenseitig pushte, inspirierte und auffing.

Heute: Unterhaltung mit Herz, Witz und feinen Fingern

Ich durfte bereits bei einigen Events und privaten Feiern auftreten – kleine, feine Bühnen mit grossem Publikumserlebnis. Ob an Geburtstagen, Hochzeiten oder improvisiert auf Partys – jeder dieser Momente war besonders. Mein Stil ist persönlich, nah und unterhaltsam. Jedes neue Engagement ist für mich eine Chance, zu wachsen, Neues zu lernen und Menschen zum Staunen zu bringen. Ich sehe jeden Auftritt als Einladung, mein Handwerk weiterzuentwickeln, neue Perspektiven zu gewinnen und diesen einen Moment zu schaffen, in dem die Realität kurz ins Wanken gerät.


Tipp zum Schluss

Die besten Geschichten beginnen oft ganz leise. Vielleicht ist deine nächste genau die, bei der ich auftrete. Lass uns sprechen – ich bin gespannt auf deinen Anlass.

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