Wie ich zur Kartenkunst kam
Vom Penspinning über Cardistry zur Zauberei. Wie aus fliegenden Karten im Kinderzimmer meine Leidenschaft wurde.
Von Manuel Kirsch ·

Manchmal beginnt eine grosse Leidenschaft mit einer winzigen Bewegung. Bei mir war es ein Stift. Mit etwa 17 Jahren entdeckte ich Penspinning. Dabei lässt man einen Stift kunstvoll um die Finger kreisen. Ich übte stundenlang, schaute YouTube-Videos und vergass dabei die Zeit. Ich übte überall: am Schreibtisch, im Zug, vor dem Fernseher. Aus dem Zeitvertreib wurde eine Obsession.
Dann spülte mir der Algorithmus etwas Neues in die Timeline: Cardistry. Andere machten mit Spielkarten, was ich mit Stiften machte. Fächer, Drehungen und Cuts, blitzschnell und präzise. Ich war sofort fasziniert und bestellte mein erstes hochwertiges Kartendeck. Ja, da gibt es grosse Unterschiede. Ich lernte die ersten Moves und verliebte mich in das Gefühl, wenn 52 Karten durch die Finger tanzen. Je tiefer ich eintauchte, desto klarer wurde mir: Hinter den einfachen Bewegungen stecken Struktur, Hingabe und Kreativität.
Der Anfang mit Chaos und fliegenden Karten
Elegant war mein Einstieg nicht. Karten flogen durch mein Zimmer, verschwanden unter dem Bett oder rutschten hinter die Heizung. Die ersten Wochen waren voller Frust und einer Frage: «Gopf, wieso gseht das bi andere emmer so eifach us?»
Meine Eltern schauten mit einer Mischung aus Skepsis und Neugier zu. Meine zwei Schwestern mussten einiges aushalten, vor allem meine endlosen «Hee, lueg mou wie geil»-Momente. Mit einer Schwester hatte ich sogar einen Deal. Ich durfte ihr Tricks nur zeigen, wenn ich danach verriet, wie sie funktionieren. Sonst hätte sie gar nicht mehr zugeschaut.
Aus diesen kleinen Familiendeals wurden lange Gespräche über Wirkung, Technik und die Kunst, andere zu überraschen. Wie sehr mich das prägen würde, wusste ich damals noch nicht.
Von der Bewegung zum Erlebnis
Mit wachsender Sicherheit merkte ich: Mit diesen Techniken kann ich andere Menschen unterhalten. Ich entwickelte kleine Routinen, die gut aussahen und Staunen auslösten. Schritt für Schritt tastete ich mich an die Welt der Kartentricks heran. Mein Werkzeug war das, was ich mit Cardistry gelernt hatte: Fingerfertigkeit, Timing und Präsenz.
Viele meiner ersten Tricks testete ich im Ausgang, in den Bars von Olten. Besonders oft im Coq d’Or. Der Übergang kam ganz natürlich. Es reichte mir nicht mehr, die Karten schön zu bewegen. Ich wollte Reaktionen auslösen, Emotionen wecken und Erinnerungen schaffen.
Die Istari-Zeit
Ein besonderes Kapitel war unsere kleine «Kärtelergruppe»: Istari. Den Namen haben wir von den Zauberern aus «Herr der Ringe». Wir trafen uns regelmässig, tauschten neue Tricks aus, übten Kartenwerfen und entwickelten gemeinsam Ideen. Manchmal feilten wir stundenlang an einer einzigen Technik.
Meistens endeten unsere Sessions im Ausgang. Dort testeten wir die neuesten Kunststücke gleich an echten Menschen. Diese Treffen waren lehrreich und ein sozialer Anker. Wir haben uns gegenseitig angespornt, inspiriert und aufgefangen.
Heute: Unterhaltung mit Herz, Witz und feinen Fingern
Heute trete ich an Firmenanlässen, Märkten und privaten Feiern auf. Kleine, feine Bühnen mit grossem Erlebnis für das Publikum. Ob Geburtstag, Hochzeit oder spontane Party: Jeder dieser Momente war besonders. Mein Stil ist persönlich, nah und unterhaltsam.
Jeder Auftritt ist für mich eine Chance, zu wachsen und Neues zu lernen. Und jedes Mal suche ich diesen einen Moment, in dem die Realität kurz ins Wanken gerät.
Tipp zum Schluss
Die besten Geschichten beginnen oft ganz leise. Vielleicht ist deine nächste genau die, bei der ich auftrete. Erzähl mir von deinem Anlass, ich freue mich darauf.
